
Es gibt kaum ein schöneres Gefühl im Gartenjahr, als zu beobachten, wie aus einem winzigen Samenkorn eine kräftige Pflanze wächst. Für mich beginnt die Gartensaison deshalb nicht erst draußen im Beet, sondern schon Wochen vorher in meinem Gartenkeller. Eigene Pflanzen groß zu ziehen macht nicht nur unglaublich viel Freude, sondern schenkt auch eine größere Sortenauswahl, gesündere Pflanzen und oft eine bessere Ernte.
Doch gerade am Anfang wirkt das Thema Anzucht für viele kompliziert und sehr aufwendig. Dabei braucht es gar nicht so viel nur. Nur ein wenig Vorbereitung, Geduld und das richtige Grundwissen.
Warum lohnt sich die eigene Anzucht?
Viele Pflanzen, vor allem Gemüse, Kräuter und Dahlien, profitieren davon, wenn sie früh vorgezogen werden. Besonders wärmeliebende Pflanzen wie Tomaten, Paprika oder Chili hätten draußen oft gar nicht genug Zeit, um vollständig auszureifen.
Durch die Anzucht kann ich seltene oder besondere Sorten anbauen, die es so gar nicht als Pflanze zu kaufen gibt. Die Pflanzen werden viel kräftiger und ich kann den Wachstumsprozess von Anfang an begleiten. Und ich kann mir finanziell einiges sparen.

Für die Pflanzenanzucht benötigt man keine komplizierte Profi-Ausrüstung. Ein kleines Grundsetup reicht völlig aus.
Das wichtigste ist das Saatgut. Achtet darauf, hochwertiges und möglichst frisches Saatgut zu verwenden. Mit zunehmendem Alter verlieren Samen nämlich ihre Keimfähigkeit. Ein Blick auf das Haltbarkeitsdatum lohnt sich daher immer vor der Anzucht.
Anstatt normaler Blumenerde nutzt ihr besser richtige Anzuchterde. Blumenerde ist meist zu nährstoffreich für junge Pflanzen. Spezielle Anzuchterde ist lockerer, feiner und enthält weniger Dünger. Damit ist sie genau richtig für empfindliche Keimlinge.
Dann braucht ihr natürlich Gefäße für eure Anzucht. Das können klassische Pflanztöpfe, Multitopfplatten oder kleine Schalen sein. Wichtig ist, dass überschüssiges Wasser ablaufen kann.


Was eure kleinen Pflänzchen unbedingt brauchen, ist viel Licht. Ideal ist ein heller Fensterplatz. Weil ich das bei mir unten im Keller nicht habe, stehen meine Töpfe in einem Regal, das mit Pflanzenlampen ausgestattet ist.
Neben dem Licht, ist Wasser der wichtigste Faktor. Samen und junge Pflanzen benötigen gleichmäßige Feuchtigkeit. Am besten eignet sich eine Sprühflasche oder eine ganz feine Gießkanne, damit die Erde nicht ausgespült und die feinen Blätter nicht verletzt werden.
Ein absolutes Must Have für mich ist dann noch ein Pikierstab. Ein kleines, aber sehr hilfreiches Holzwerkzeug. Damit lassen sich junge Pflänzchen vorsichtig vereinzeln und umsetzen.

Und so funktioniert die Anzucht Schritt für Schritt:
Als erstes fülle ich mein Aussatgefäß, in den meisten Fällen kleine Anzuchttöpfe, mit Anzuchterde und drücke die Oberfläche leicht an. Meist muss das Töpfchen gar nicht randvoll gefüllt sein. Zur Hälfte gefüllt reicht oft schon aus.
Dann säe ich die Samen aus. Die Saattiefe hängt dabei von der Pflanzenart ab, denn Samen haben unterschiedliche Bedürfnisse beim Keimen. Man unterscheidet zwischen Licht- und Dunkelkeimern. Lichtkeimer dürfen nur leicht angedrückt und nicht mit Erde bedeckt werden. Sie benötigen das Licht zum Keimen, wie ihr Name schon sagt. Dazu gehören beispielsweise viele Kräuter oder Salate. Dunkelkeimer hingegen brauchen eine dünne Erdschicht über sich. Tomaten oder Gurken gehören beispielsweise dazu. Ein Blick auf die Saatgutpackung hilft hier meist, um herauszufinden, worum es sich handelt.
Ich säe meist mehrere Samen einer Art in ein Töpfchen ein, außer es handelt sich schon um recht große Samen.
Wenn alle Samen in der Erde sind, wird die Erde vorsichtig befeuchtet. Ich mache das anfangs immer mit einer Sprühflasche.
Übrigens keimen die meisten Samen bei Temperaturen zwischen 18 und 24 Grad besonders gut.


Sobald die Pflanzen neben den Keimblättern erste richtige Blattpaare bilden, wird es Zeit zum Pikieren. Dabei werden die kleinen Pflanzen vorsichtig vereinzelt und in größere Gefäße umgesetzt. Das gibt ihnen mehr Platz für Wurzeln und sorgt für kräftiges Wachstum.

Hier noch ein paar extra Tipps:
Zu viel Wasser führt ganz schnell zu Schimmel oder Wurzelfäule. Gießt daher lieber etwas weniger auf einmal, dafür aber regelmäßiger.
Achtet wirklich auf genügend Licht, sonst werden eure Pflanzen später zwar lang, aber instabil.
Und sät auch nicht zu früh aus. Eine zu frühe Aussaat kann zu übergroßen Pflanzen führen, bevor sie ins Freiland dürfen und den Ertrag deutlich verringern oder ganz aufhalten. Hier verrät euch wieder ein Blick auf die Saatgutpackung, wann der richtige Zeitpunkt für eure Anzucht ist.
Geduld gehört auch dazu. Jede Pflanze hat ihr eigenes Tempo. Manche Samen keimen bereits nach wenigen Tagen, andere benötigen mehrere Wochen.

Die eigene Anzucht ist für mich jedes Jahr ab Anfang März das Zeichen, dass der Frühling fast vor der Türe steht. Jetzt ist es draußen zwar noch kalt und dunkel, aber wenn die ersten grünen Spitzen unten im Keller sichtbar werden, weiß ich voller Vorfreude und Hoffnung: es dauert nicht mehr lang. Und diese kleinen Erfolgsmomente motivieren mich für das gesamte Gartenjahr. Da ist aus einem winzigen Samenkorn, plötzlich etwas gewachsen und ich darf dabei zuschauen.
Alle hier vorgestellten Produkte wurden unabhängig ausgewählt. Bei einem Kauf über diese Links erhalten wir möglicherweise eine Provision.






